HAZ Artikel (05.09.2020)

HAZ Artikel (05.09.2020)

„Die Gesundheit hat oberste Priorität”

Die kleine Montessori-Grundschule kommt gut mit den Corona-Bedingungen zurecht

Von Ursula Kallenbach

Bissendorf-Wietze. Über alle Nachrichten, dass Schule trotz Corona funktioniert, sind Eltern, Lehrer und Schüler in der Wedemark derzeit froh. Die kleine Montessori-Grundschule mit nur 50 Jungen und Mädchen in vier Jahrgängen kann liefern: Die anerkannte Ersatzschule in privater Trägerschaft hat offenbar alle Herausforderungen unter den bekannten Auflagen gut gestemmt. Sogar ein schon etabliertes Konzept für Onlineunterricht von zu Hause aus hat Montessori vorzuweisen.

 

Acht Lehrkräfte betreuen die Kinder. Die Jungen und Mädchen sind zum neuen Schuljahr in vier altersgemischten Kohorten und fest zugewiesenen Räumen angetreten. Die größte Gruppe umfasst 16, die kleinste acht Kinder, berichtet der zweite Vorsitzende der Grundschule, Lars Wesenick. Auch die Lehrkräfte stehen alle für den Unterricht zur Verfügung – eine gehört der Corona-Risikogruppe an und ist per Livestream jeweils auf einem Monitor zugeschaltet.

 

Einen Traum für die Organisation unter Corona-Auflagen bietet das erst 2014 bezogene neue Schulgebäude an der Straße Am Wietzestrand: Alle Gruppenräume verfügen über Türen und Fenster zum Außenbereich. „Die Kinder können direkt in ihre Räume eintreten”, erklärt Wesenick. Zusätzlich hat die Schule ein Luftreinigungssystem in mobilen Geräten für jeden Raum angeschafft, bezahlt aus dem Schulbudget. „Das waren insgesamt circa 600 Euro plus die laufenden Kosten für die Filter”, sagt das Vorstandsmitglied. Das System werde in Deutschland hergestellt und sei von der Universität der Bundeswehr München auf seine Wirksamkeit gegen Coronaviren getestet worden.

Zusätzlich werden die Schulräume täglich mit Hochleistungsgeräten desinfiziert, wenn die Kinder sich nicht im Gebäude aufhalten. Außerdem wird regelmäßig gelüftet. „Mit unserem Hygienekonzept können wir eine hohe Luftreinheit gewährleisten,” betont Schulleiterin Stephanie Rifai. Auch die Handhygiene und Abstandsregeln seien im Schulalltag fest integriert. „Die Gesundheit unserer Schüler und Lehrkräfte hat für uns oberste Priorität.”

 

Trotz Corona hat es die Schule geschafft, die Kinder weiter individuell beim Lernen zu betreuen. Darauf ist der Schulvorstand besonders stolz. „Bereits in den Osterferien, kurz nach Ansage der allgemeinen Schulschließung, testete das Schulteam zunächst mit einer kleinen freiwilligen Gruppe die Onlinelernplattform Google Classroom”, erzählt Wesenick. „Nach den Osterferien waren alle Lehrer und Schüler darüber miteinander verbunden und täglich im direkten Kontakt.” Es gab Videomeetings, Gruppen- und individuelle Chats, und die Lehrkräfte seien durchgängig telefonisch erreichbar gewesen. Die Pädagogen illustrierten Lerninhalte mit selbst gedrehten Videos, sogar eine virtuelle Projektwoche verband Lehrer und Kinder.

 

„Die Kinder haben sich sehr schnell damit vertraut gemacht und toll selbstständig gearbeitet”, bestätigt Rifai. „Viele Eltern schätzen den Zugewinn der Medienkompetenz ihrer Kinder sehr.” Alle Kinder seien ausreichend technisch ausgestattet, ergänzt Wesenick. Ein Schüler, bei dem diese Voraussetzungen fehlten, habe ein Leihgerät erhalten. Doch bei allem Erfolg: „Wir hoffen natürlich auf einen geregelten Unterricht im kommenden Schuljahr”, sagt Rifai. Der Nachwuchs ist schon da: 16 Kinder sind aufgenommen worden.